Online Predigt zum Sonntag Trinitatis

EIN STARKES TEAM

In jener Zeit gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,16-20)

Erst hiess es Aufbruch nach Jerusalem, denn Jesus kommt. Dann hiess es nix, wie weg, denn Jesus ist tot. Dann hiess es, alle wieder herkommen, denn Er ist wieder lebendig geworden. Und nun sollte er schon wieder weggehen. Man sollte sich auf einem bekannten Hügel treffen, den Abschied zu regeln. Der zusammengewürfelte Haufen, der sich dort auf dem Hügel traf, musste wohl ziemlich am Ende der Stange gewesen sein. Wie sollte es jetzt weitergehen? Sie haben so viel gesehen. So viel erlitten. Die meisten waren bestimmt ziemlich verwirrt, als es hiess: „Wir
treffen Jesus zum Abschied auf einem Berg in der Nähe von Jerusalem“. Und mit diesem ratlosen Haufen, wollte Jesus die Kirche für alle Zeiten gründen. Die sehen mir überhaupt nicht, wie ein gut durchgespieltes „Gemeindeaufbauteam“ aus. Noch weniger, wie ein gut strukturierter Kirchenvorstand, der dabei ist seine Gemeinde von Grund auf zu erneuern und aufzubauen. Fromm sind sie sicher auch nicht einmal gewesen. Jedenfalls nicht immer. In unserer Bibel wird sogar direkt gesagt, dass einige an der Auferstehung zweifelten. Ich stelle mir vor, wie sie damals vor Jesus versammelt waren: Zerzaustes Haar, stumpfer Blick und mit gelösten Schuhsenkeln schleifen sie ihr Hab und Gut widerwillig zum Berg hinauf. In meiner Phantasie sehen die so gar nicht danach aus, als wollten Sie die Freudenbotschaft an alle Welt verkündigen.

Wie sollte es mit dieser kleinen Schar weitergehen? Das ist die Frage. Und was sollte sie bewegen, doch noch das zu tun, was wir im Verlauf der Apostelgeschichte beeindruckend lesen können. Vor allen Dingen sollten wir uns auch noch fragen: Wie können wir selbst aus uns herauswachsen und unsere Grenzen überwinden? Gerade dann, wenn Zweifel und Hoffnungslosigkeit an uns nagen. Auch dann, wenn wir es immer wieder nicht schaffen, aus den Grenzen der eigenen Gemeinde und der eigenen Bedürfnisse herauszubrechen und die Vielen einzuladen. Vielleicht hilft es den Ursprung der Zweifel herauszubekommen. Vielleicht müsste man es so machen, wie die Fussballmanschaften es heute tun. Da nimmt der Trainer jeden Einzigen an die Brust und fühlt ihn auf den Zahn, um zu sehen, was stört.

Vielleicht brauchen wir Jünger Jesu so einen Privatcoach, der uns ein wenig aufmuntert, damit er ein wenig mehr Elan aus uns herauskitzeln kann! Wenn ich den Missionsbefehl Jesu lese, spüre ich nicht einmal den Hauch einer solchen Methodik. Jesus scheint die ganzen Zweifel und menschlichen Fehler glattweg zu ignorieren und packt nur noch seinen Befehl obendrauf: „Gehet hin in alle Welt. Lehret sie und taufet sie!“ Jesus ignoriert die ganzen Unzulänglichkeiten der Jünger und hat angesichts der kleinen Schar, die vor ihm steht, unglaubliche Zuversicht. Den Grund, wieso Jesus solche Zuversicht hat, stellt Er vorweg: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden“ Daraus macht Jesus sehr deutlich, dass wir in der Kirche nicht von einer Fussballmannschaft reden, die eben mal ein wenig aufgemuntert und motiviert werden muss. Nein, anders als beim Fussball geht es in der Sache Jesu in erster Linie nicht um sein Team. Auch nicht um ihre

Fähigkeiten und um ihr Können oder Wollen. Nein! Jesus steht mit einem ganz gewaltigen Anspruch hinter den Jüngern, hinter der Kirche und hinter uns. Und deshalb sind die ersten Jünger in die weite Welt gegangen und haben die eine Gemeinde nach der anderen gegründet. Nur deshalb können wir auch heute noch das Gleiche tun. Wäre Jesus mit seiner Macht nicht hinter uns, bliebe uns nichts anderes übrig als unter den vielen Religionen und Meinungen dieser Welt, die christliche Religion, so gut wie wir können, zu verkaufen. Dann müsste man die Vorteile hervorheben und müsste ganz darauf konzentrieren, das Team der Mitarbeiter besser als alle anderen zu trainieren und zu motivieren, damit sie die Botschaft noch besser als alle anderen verkaufen können. Dann müssten wir Christen alle miteinander von den verschiedenen kniffeligen Verkaufstricks lernen, damit wir unsere Sache am besten machen. Nein, all das tun wir in erster Linie gar nicht! Das ist so, weil wir wissen, dass Jesus der Einer Unvergleichliche Gott ist und kein anderer. Das Einzige, das wir überhaupt tun können, zeigt uns diese kleine Schar Jünger auf dem Berg vor Jesus. Als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder und beteten ihn an. Genau wie sie waren. Mit ihren ganzen Zweifeln, ungekämmtem Haar und bedrückten Gesichtern. Sie beteten Jesus an. Ihrer Zweifel zum Trotz! Die Mission fängt damit an, dass wir das tun. Nur vor unserem Herrn Jesus, wissen wir wo wir herkommen und woher auch unsere Kraft kommt. Auf unsere Zeit übertragen, heisst das: Indem ich selber in Jesus getauft werde und am Sonntag in die Kirche gehe, sehe ich wer dieser Jesus ist: Ich knie vor ihm nieder bete ihn an und weiss erst dann, dass es keinen Herrn ausser ihm gibt. Zugleich erkennen wir damit schon an, dass die Ausbreitung des Evangeliums nicht aus unserem Wollen oder Können kommen kann, sondern liegt ganz in dessen Hand, den wir anbeten. Vor diesem Herrn leben wir. Vor diesem Herrn ist unsere Mission. Jesu Mission und nicht die Mission von diesem jenen oder noch wen anderem!

Jesus will uns davor bewahren unser Vertrauen auf uns selbst zu setzen. Wenn wir das tun, müssten wir früher oder später verzagen, denn wir können einfach nicht aus uns selbst glauben. Noch weniger können wir andere Menschen dazu bringen, dass sie glauben. Eine noch schlimmere Katastrophe wäre es, wenn wir einfach den Herrn Jesus ignorieren und unsere eigene kleine Herrschaft auf dieser Welt gründen würden. Ja, leider gab es auch immer wieder Beispiele davon, wo Christen oder ganze Gemeinden sich von irdischer Macht haben beeinflussen lassen statt von Jesus unserem Herrn. Mit dem Auge auf Geld und Ruhm ist eine furchtbare Katastrophe vorprogrammiert. Deshalb werden wir ja selber in Jesus eingetauft. Wer im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft ist, gehört nun ganz Gott an. Der lebt auch nicht mehr für sich selbst. Jesu Tod wird mein Tod! Jesu Leben wird mein Leben! Seine Herrlichkeit kommt auch ganz persönlich zu mir. Und deshalb knie ich zusammen mit den Jüngern vor ihm nieder und bete ihn an, bevor ich auch nur einen einzigen Schritt in die Welt wage, tue ich das zu allererst.

Nur deshalb ist diese kleine Schar Jünger damals in alle Welt gegangen. Nur deshalb standen die ersten Jünger damals im Gericht und sagten: „Wir können gar nicht anders, als diesen Herrn Jesus zu verkündigen!“ Nur deshalb ist auch ein Paulus ständig in Lebensgefahr gewesen und hat dennoch die Botschaft von Jesus weitergesagt. Nur deshalb kann auch manch einer, der getauft wurde, trotz Lebensgefahr, den Glauben an Jesus weitersagen. Nicht weniger sterben heute noch wegen genau dieses Grunds. Nur deshalb kann ich, wenn ich einen todkranken Menschen besuchen muss, dennoch zu eben diesem Menschen gehen und ehrlich über den Tod und das neue Leben in Christus reden. Ja, ich hoffe und bete, dass wenn ich eines Tages vor dem Tod stehe und die Zweifel an mich nagen, dass ich allein auf die Macht Jesu setzen kann. Der, der das Universum in der Hand hält, ist mir ganz nah geworden „Ich bin bei euch alle Tage!“ verspricht Er uns. Jesus ist auch bei uns, wenn bei mir der Atem ausgeht. Wenn ich genau wie die Jünger damals meine Zweifel habe. Selbst dann, wenn ich meine vielen Fehler und die Fehler meiner Mitchristen sehe, verzweifele ich nicht…denn Jesus ist mit seiner ganzen Macht ganz nah bei mir. Ja, Er ist sogar in mir. Deshalb bin ich nie allein. Wenn ich auch meine, dass ich gar nicht weiss, wie ich die Botschaft von Jesus weitersagen darf und soll. Ich darf wissen, Jesus ist bei mir und redet an meiner statt. Ja und genau deshalb ist Jesus so unbekümmert über die Sorgen und Probleme der Jünger, die sich damals vor ihm versammelt hatten. ER ist auch überhaupt nicht traurig über ihre ganzen Unzulänglichkeiten. Er weiss ja genau, wie er mit dieser kleinen Schar in Zukunft arbeiten wird. Genau wie Er auch ganz genau weiss, wie Er mit dir und mit mir arbeiten will. Das Bild, das Jesus uns bei der Aussendung der Jünger ausmalt, ist ein beeindruckendes Bild. Auf der einen Seite die Jünger mit ihren ganzen Schwachheiten. Auf der anderen Seite der Auferstandene Herr Jesus. Vor der kleinen Schar Jünger stehen dunkle Wolken. Es ist die Welt, die diesen Herrn Jesus so gar nicht erkennen kann. Die dunklen Wolken sind auch darin zu erkennen, dass die Jünger selbst immer wieder Zweifel haben werden-Sie werden auch nicht selten angefochten von vielen Sünden und Schwachheiten haben. Aber auch dann sind sie nicht allein.

van Eyck: Genter Altar – Heiliger Geist

Der Heilige Geist wird bei ihnen sein. Und dieser Heilige Geist ist auch kein neuer Geist. Er ist wiederum der Gleiche, der die Welt erschaffen hat und der durch Jesus Christus nun ganz bei uns ist. Der Weg der Jünger führt ins Dunkle. Oft werden sie nicht mit Augen sehen können. Sie werden oft ins Ungewisse arbeiten müssen. Das was uns treibt wird der Blick ins Letzte sein. All die Anfechtungen, all die Nöte, all die Zweifel sind vorläufig. Irgendwann wird der Vorhang wieder hinweggerissen sein. Dann werden wir wieder vor Jesus stehen. Dann werden wir ihn wieder von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Wir werden ihn mit Händen fassen können. Bestimmt wird er uns dann alles erklären.