2019 Sanierung & Wiedereinzug

Die christkatholische Epiphanie-Kirche konnte gerettet werden

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der unterste Bereich des ehemaligen Rebhanges gegen Leubringen immer mehr zur Monumentalzone, welche die Stadtsilhouette von Biel bestimmte. Drei Kirchen wurden am Fusse des Hanges erbaut: Die Reformierte Pasquart Kirche, die Christkatholische Epiphanie-Kirche und die Römisch-katholische Kirche Santa Maria. Nach nicht einmal einem Jahr Bauzeit wurde die vom Architekten August Haag in schlichter Neuromanik erbaute christkatholische Kirche am 10. Januar 1904 eingeweiht. Dies am Fest von Epiphanie, dem sie nun ihren Namen verdankt. Sie ist schweizweit die einzige Epiphanie-Kirche. Hier feiert die christkatholische Kirchgemeinde Biel bis heute ihre Gottesdienste.

Renovationen und ihre Folgen

Der leergeräumte Innenraum vor der Renovation.

Der Innenraum wurde bei der Renovation in den dreissiger Jahren und bei späteren Umbauten stark verändert. Der ursprüngliche Gesamtcharakter des Inneren war geprägt von Holzarbeiten, warmen Erdfarben, vielfältiger, kleinteiliger Dekoration und sichtbarem Dachstuhl.

Der frühere Raumeindruck ist durch die erste Sanierung in den 30-er Jahren gänzlich verschwunden, dafür stehen wir heute in einem klaren, weitgehend auf ein Material und eine Farbe reduzierten Innern „ohne falsche Schnörkel“. Im Jahr 1955 wurde eine neue Orgel eingebaut und gleichzeitig die Empore vergrössert. 1972 gelangte eine gründliche Aussenrennovation der Kirche zu ihrem Abschluss.

Nach hundert Jahren wurde das alte Schieferdach allerdings undicht. 2012 stellte man fest, dass der Zustand der Dacheindeckung und die Zimmermannskonstruktion des Dachstuhls gravierende Mängel und undichte Stellen aufwiesen. Eine Dachsanierung wurde unumgänglich. Bei weiteren Abklärungen wurde zusätzlich an verschiedenen Stellen Asbest entdeckt. Mit grossen Anstrengungen suchte die Gemeinde nach Lösungen.

Um die dringend notwendige Renovation musste jahrelang gekämpft werden

Die Kirchgemeinde dankt den grossen und kleinen Spender*innen auf 115-jährigen Ziegeln des Schieferdaches.

Die Idee, zusammen mit der Aussenhülle, den ursprünglichen Zustand der Kirche von 1904 wiederherzustellen, musste wegen mangelnder finanzieller Mittel verworfen werden. Der Betrag des errechneten Kostenvoranschlags von 2,4 Mio. CHF konnte die 350 Mitglieder umfassende Gemeinde trotz Unterstützung des Denkmalschutzes und einiger Stiftungen nicht aufbringen. Zu Beginn des Jahres 2019 drohte die endgültige Schliessung der Kirche aus Sicherheitsgründen. Die Epiphanie-Kirche hätte dem Zerfall überlassen werden müssen.

Mit ungebrochenem Mut und grosser Hoffnung suchte der Kirchgemeinderat nach neuen Lösungen – und fand sie. Eine Kostenminderung auf nun 1,1 Mio Franken konnte erzielt werden. Dank dem Denkmalschutz, Spendengeldern und einem grossen Kredit, den die Kirchgemeinde auf ihr Kirchgemeindehaus aufgenommen hat, konnten die Bauarbeiten im Juni 2019 in Angriff genommen werden. Morsche Dachbalken wurden ersetzt, die Statik neu verstärkt und das ganze Dach sowie der Turm mit neuem Schiefer gedeckt. Im Innenraum beschränkte man sich auf das allernötigste: Die Heizungssteuerung wurde ersetzt, der Raum frisch gestrichen und eine neue Lichtanlage eingebaut. Kleine Veränderungen im Raum bewirken nun, dass die klare und schöne Form des Innenraumes wieder mehr zur Geltung kommt.

Wiedereinzug und Nutzung der neuen Epiphanie-Kirche –
„Ä Dachschade hei die!“

Mit grosser Freude konnte die Epiphanie-Kirche am 1. Februar 2020 wiedereröffnet werden.
In einem grossen Festgottesdienst mit dem christkatholischen Bischof Harald Rein und unter ökumenischer
Mitwirkung wurde das Ereignis gebührlich gefeiert. 

Der Slam-Poet Andreas Kessler bei seiner feurigen Gastpredigt.

Auf den langwierigen Renovationsprozess ging auch der Theologe und Slampoet Andreas Kessler in seiner spritzigen Festpredigt ein. Es stelle sich doch die Frage, ob nicht nur das Kirchengebäude, oder nicht etwa auch die Verantwortlichen der Gemeinde einen Dachschaden hätten, angesichts der ausgeschütteten 1,1 Millionen Franken für das Gebetshaus einer so kleinen Kirchgemeinde. Allerdings, so der Prediger weiter: Wer so rede, habe Gemeinschaft nicht verstanden und erst recht nicht die Bedeutung von Liturgie. Der Weg zum neuen Dach und der neurenovierten Kirche sei für die Gemeinde aber schon hart gewesen. Trotz intensivem Beten habe kein Sturm den Kirchturm auf die Kirche fallen lassen, so dass dann immerhin die Gebäudeversicherung gezahlt hätte. Dafür sei dann aber die Gemeinde aufgestanden und habe sich mit grossem Einsatz in das Projekt gestürzt. So sei nun der Dachschaden behoben und die Kirche wieder abgedichtet, eingerichtet und hergerichtet. So dass in ihr die kirchliche Gemeinschaft wieder die Kraft zum Aufstehen und Aufgerichtet-Werden miteinander teilen könne. Denn genau das sei der eigentliche «christliche Dachschaden», dass die Christen nicht «abgedichtet» an denen vorbei gehen können, die nicht mehr selbst aufstehen können.

Der neurenovierte Innenraum der Epiphanie-Kirche.

Die Gemeinde freut sich über das schöne Ergebnis der Renovation und vor allem, dass sie ihre Kirche retten konnte!

Die Epiphanie-Kirche steht verschiedenen Glaubensgemeinschaften sowie der Ökumene für die Feier von Gottesdiensten zur Verfügung. Weiter soll der Raum für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt werden können. Der neue Altar und Ambo sind deutlich leichter als ihre Vorgänger und erlauben es nun, den Kirchenraum den jeweiligen Nutzungen entsprechend anzupassen. Der christkatholischen Kirchgemeinde ist es wichtig, dass ihre Kirche zur Stadt Biel gehört und stellt sie deshalb auch für Bieler Veranstaltungen zu Verfügung.

Einige Blitzlichter zum Umbau finden Sie hier.