Wahrzeichen mit Renovationsbedarf

In welchem Zustand ist die älteste noch bestehende Kirche des Kantons Solothurn, die Stiftskirche Schönenwerd? Im Sommer 2018 wurde eine Bausubstanzanalyse durchgeführt. Am Montag, 18. März 2019  informierte der christkatholische Kirchgemeinderat an einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung über die Ergebnisse und stellte zwei Kreditanträge für dringliche Sanierungsmassnahmen.

Die Stiftskirche St. Leodegar dient nicht nur der christkatholischen, sondern auch der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde als Gotteshaus und ist als Wahrzeichen von Schönenwerd weithin sichtbar. So stiess die Versammlung der christkatholischen Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen auf reges öffentliches Interesse. Kirchgemeindepräsidentin Silvia Meier durfte nicht nur die Stimmberechtigten, sondern auch einige Gäste begrüssen, darunter ihre Amtskollegen Gottfried Dörfelt von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Niederamt und Markus Hunn von der römisch-katholischen Kirchgemeinde Schönenwerd-Epppenberg-Wöschnau, sowie Peter Hodel, Präsident der Einwohnergemeinde Schönenwerd und stimmberechtigtes Mitglied der Kirchgemeinde.

Heiner Schranz, Präsident der Kommission Werterhalt Stiftskirche, informierte über die Untersuchungen, welche durch das Architekturbüro Robert&Esslinger sowie die Firma J. C. Märki Restauro vorgenommen worden waren: Vor allem am Dach des südlichen Seitenschiffes wurden Schäden an Balken, Sparren und Ziegeln festgestellt, die dringend saniert werden müssen, wenn man nicht noch grössere Schäden riskieren möchte. Ebenfalls dringlich ist eine Restaurierung der Fresken in der Vorhalle: Die Malereien aus dem Jahr 1628 sind von kunstgeschichtlich grosser Bedeutung und befinden sich in kritischem Zustand. Hier drängt die kantonale Denkmalpflege auf rasche Massnahmen und ist bereit, sich an den Kosten mit einem namhaften Betrag zu beteiligen.

Andere Schäden an Dach, Fassade und Kreuzgang sind nicht unmittelbar dringlich, erfordern aber in den nächsten Jahren ebenfalls grössere Renovationsarbeiten. Genauso bedarf die Bühlmauer einer Sanierung, deren Umfang sich wegen Bewuchs durch Efeu und Buschwerk schwer abschätzen lässt. «Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf 1,3 Millionen für die Stiftskirche und eine weitere halbe Million für die Bühlmauer. Klar ist, dass die christkatholische Kirchgemeinde mit ihren 153 Mitgliedern dies nicht tragen kann – auch nicht mit Unterstützung der Denkmalpflege», so fasste Heiner Schranz die Situation zusammen.

Aus diesem Grund hatte der Kirchgemeinderat schon vor zwei Jahren eine überkonfessionelle Arbeitsgruppe «Freunde der Stiftskirche» eingesetzt, die nach Möglichkeiten für eine neue Trägerschaft für dieses kulturgeschichtlich so bedeutende Bauwerk sucht. «Mit der Bausubstanzanalyse liegen jetzt verlässliche Informationen vor, welche diese Suche hoffentlich erleichtern», so Schranz. Gemeindepräsident Peter Hodel betonte, dass die Einwohnergemeinde sich ihrer Mitverantwortung bewusst sei. Sie könne zwar nicht die Kirchgemeinde, wohl aber das Baudenkmal unterstützen. Dazu sei der Gemeinderat bereit, wenn auch das letzte Wort bei der Gemeindeversammlung liege. In der Diskussion wurde mehrfach betont, dass die Nutzung der Stiftskirche als Gotteshaus erhalten und als kultureller Veranstaltungsort gefördert werden solle. Die Kreditanträge für die Restaurierung der Fresken und die Sanierung des südlichen Seitenschiffes wurden schliesslich einstimmig angenommen.