Predigt Festgottesdienst St. Katharinenkirche Laufen am 27. Mai 2018

Festpredigt von Pfarrerin Denise Wyss

In ihr strahlt das goldene Herz der Liebe Gottes


Liebe Festgemeinde,
Liebe Brüder und Schwestern

Das erste Wort möchte ich einer betagten Dame geben, die heute unter uns weilt. Ich darf sie zitieren: „Ich bin schon hochbetagt und älter als Sie. Ich habe ein strahlendes goldenes Herz und ich werde noch da sein, wenn Sie längst nicht mehr auf Erden weilen. Mein irdisches Fundament liegt auf dem ehemaligen Schwemmland der Birs und ich bin stolz darauf, dass ich in all den Jahrhunderten meinen Stand bewahrt habe. Kriege, Stürme und Hochwasser habe ich überstanden. Stets sind mir alle Menschen willkommen gewesen, Gläubige wie Ungläubige. Und auch wenn die Feuchtigkeit mich schon ziemlich grau aussehen lässt, finden mich die Menschen heute noch anziehend. Wenn ich mir auf meine alten Tage noch etwas wünschen dürfte, dann hätte ich gerne – mit Verlaub – ein neues Unter- und Obergewand. Ich möchte noch einmal in neuer Frische erstrahlen und so richtig durchstarten. So sagt man doch heute – nicht?“

Die Worte unserer alten Dame sind natürlich nicht mehr aktuell. Sie wurden im allerletzten christkatholischen Jahrbuch veröffentlicht, das im Herbst 2016 herauskam. Kurz darauf wurden die gravierenden Schäden in ihrem Dachstuhl aufgedeckt und war es auf einmal nicht mehr so sicher, ob diese Kirche uns wirklich überleben würde. Doch heute können wir davon ausgehen. Sie steht da in einem neuen strahlenden Unter- und Obergewand und kann hoffentlich auch nochmals so richtig durchstarten!

Schon in der Vergangenheit gab es hier abenteuerliche Szenen. Wussten Sie, dass an dieser Stelle im grossen Basler Erdbeben eine Kirche eingestürzt war? Oder dass hier während der Reformationszeit einmal eine reformierte Kirche stand? Wussten Sie, dass es in der Zeit Napoleons in der St. Katharinenkirche verboten war, Gottesdienste zu feiern? Natürlich wissen Sie, dass diese Kirche nach dem ersten Vatikanischen Konzil 1870 während Jahrzehnten in einem Streit hin- und hergerissen wurde zwischen den zwei Teilen der getrennten katholischen Kirchgemeinde! 1908 wurde die Kirche schliesslich – nach einem Bundesgerichtsentscheid – von den Altkatholiken käuflich erworben, worauf die römisch-katholische Kirchgemeinde in Laufen die Herz-Jesu-Kirche erbaute.
Dies führt uns nun zum anfangs erwähnten goldenen Herz unserer alten Dame. Können Sie es sehen? In der Mitte über dem Hochaltar zeigt sich das goldene Herz dieser Kirche! Aus dem Herz steigen Flammen empor und es ist umgeben von einem Strahlenkranz. Es weist auch eine Schnittverletzung auf. Dargestellt ist das Herz von Jesus, das seit dem Mittelalter in der römisch-katholischen Kirche verehrt wird. Diese Herz-Jesu-Verehrung mutet uns heute ziemlich antiquiert an. Und doch ist das goldene Herz Jesu auch heute hochaktuell und zentral für unseren Glauben.
Woran denken wir zuerst, wenn wir irgendwo das Symbol eines Herzens sehen? Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass wir an die romantische Liebe denken, vor allem dann, wenn in dieses Herz noch zwei Namen hineingeschrieben sind, eingeritzt z.B. in einen Baumstamm oder einen Kirchenbank. Liebe ist auch DAS Thema dieses goldenen Herzens da oben. Jesus nannte Liebe das grössten Gebot: „Liebe Gott, deinen Nächsten und dich selbst aus ganzem Herzen.“ Auch das macht uns das goldene Herz Jesu in dieser Kirche deutlich.

Das Herz gilt schon im Alten Testament als das innere Wesen eines Menschen, als Sinnbild der ganzen Person mit ihren Emotionen. Das Herz Jesu steht im Besonderen für die unendliche Liebe Gottes, besonders auch deswegen, weil Jesus für diese Liebe gestorben ist. Im Bericht einer der Visionen der Margareta Maria Alacoque, die im 17. Jahrhundert lebte, wird das Feuer des Herzens Jesu als Gegenpol zur „undankbaren Kälte der Menschen“ erfahren. Wie damals im 30-jährigen Krieg, als die heutige St. Katharinenkirche erbaut worden war, weht auch heute ein eisiger Wind zwischen vielen Völkern und Religionen. Wenn wir uns die Nachrichten anschauen, stellen wir fest, dass unsere Welt ziemlich herzlos ist. Viele Menschen glauben zwar an Gott, aber eben nicht immer an einen Gott der Liebe, sondern oftmals an einen Gott des des Hasses.

Jesus Christus geht einen völlig anderen Weg: Er bezeugt einen Gott der Liebe. Auch wenn Gläubige und Institution Kirche in Vergangenheit und der Gegenwart immer wieder gegen diese Liebe handeln, dürfen wir nicht das Ursprüngliche aus dem Blick verlieren: Die universelle Liebe Gottes, die Jesus bezeugt hat. Wenn heute in der Kirche vieles zusammenbricht und vieles zu Recht kritisiert wird, wenn Glaube abgelehnt und Gläubige belächelt werden, ist es doch so, dass die oftmals wie eine Ersatzreligion angebetete Naturwissenschaft weder eine Antwort auf die wesentlichen Fragen des Lebens gibt, noch einen Anstoss zum ethischen Handeln vermitteln kann.
Doch wo ist das, was unser Herz wirklich berührt, das wonach es sich wirklich sehnt? Wir finden es wie damals die Purpurhändlerin Lydia, von der es in der Apostelgeschichte heisst: Gott hat ihr Herz geöffnet und sie liess sich taufen. Oder wie der Pharisäer Nikodemus, der in der Nacht zu Jesus kam mit einer brennenden Frage in seinem Herzen, wie es denn mit dem ewigen Leben stehe. Jesus sprach von einer Wiedergeburt von oben, aus Wasser und Geist und damit meinte er die Taufe und den Empfang des Heiligen Geistes. So wie Gott das Herz Lydias öffnete, kann er auch unser Herz öffnen und es füllen mit seinem heiligen Geist.

Das besondere an der Liebe Gottes ist – im Gegensatz zur romantischen Liebe, dass sie alle Menschen umfasst, unabhängig ihrer Herkunft oder Stellung. Dieses Prinzip der Einheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit aller Menschen stammt ursprünglich von Jesus aus Nazareth! Dies liess damals die Herzen vieler Menschen entflammen, es öffnete die Herzen von Reichen und Armen, Freien und Sklaven, Männern und Frauen, Griechen und Römern und Angehörigen vieler anderer Völker der damaligen Zeit.
Diese Liebe ist das Zentrum des christlichen Glaubens. Und auch heute ist es wichtig, als Kirche dafür einzustehen, dass alle Menschen Brüder und Schwestern sind, die aus der einen göttlichen Liebe stammen. Dafür steht auch das goldenen Herz dieser Kirche und darum ist es heute aktueller denn je. Nicht nur unsere Kirche, auch unsere Welt braucht ein neues Gewand. Ein Gewand der Liebe.

Vielleicht ist diese Kirche für die einen unter uns einfach nur ein schönes Museum oder ein Konzertsaal; ein Ort der Erinnerung oder das Wahrzeichen von Laufen. Für viele ist sie ein Haus Gottes und seiner Liebe. Aber etwas verbindet alle: Unser Herz für diese Kirche. Mit Herzblut haben wir dazu beigetragen, dass unsere alte Dame mit ihrem neuen Gewand noch vielen Menschen lange Zeit Freude machen wird.
Ich persönlich wünsche uns allen, dass diese Kirche auch zum goldenen Herz der Stadt Laufen wird und die Herzen der unterschiedlichsten Menschen verbindet. Das goldene Herz in dieser Kirche soll uns ein Zeichen dafür sein, dass Gott Liebe ist.

Auch das letzte Wort möchte ich unserer alten Dame geben:
„Ihr habt nun über mein goldenes Herz gesprochen, was mich sehr freut! Ich wünsche euch, dass ihr auch zu EUREM goldenen Herz findet und es der Welt zeigt!“

Predigt Festgottesdienst St. Katharinenkirche Laufen am 27. Mai 2018 von Pfarrerin Denise Wyss [PDF, 123 KB]