Friedliches Zusammenleben fördern

Die Christkatholische Kirche der Schweiz im interreligiösen Dialog

Interreligiöser Dialog – wie geht das? Interreligiöser Netzwerktag der Christkatholischen Kirche der Schweiz Bern, 20. März 2021

Die Schweiz ist in den letzten rund 50 Jahren zu einer multireligiösen Gesellschaft geworden. Immer mehr Stimmen fordern daher zum Engagement im interreligiösen Dialog auf, um das friedliche Zusammenleben zu fördern. Das stellt für viele Akteur*innen eine Herausforderung dar – auch für die Christkatholische Kirche der Schweiz.

Was aber ist eigentlich ein «interreligiöser Dialog»?
Der interreligiöse Dialog dient oft als Überbegriff für viele unterschiedliche Arten interreligiöser Begegnung und hat in seiner Geschichte unterschiedliche Formen angenommen. Der interreligiöse Dialog, wie wir ihn heute verstehen, begann mit der Versammlung des Parlaments der Religionen 1893 in Chicago. Das Dokument «Dialog und Mission. Gedanken und Weisungen über die Haltung der Kirche gegenüber den Anhängern anderer Religionen», das am 10. Juni 1984 vom Päpstlichen Sekretariat für die Nichtchristen veröffentlicht wurde, macht deutlich, dass interreligiöser Dialog viel mehr ist, als nur ein intellektuelles Gespräch über theologische Fragen und unterscheidet vier Formen des Dialogs.

Es spricht von Dialog des Lebens, Dialog der Werke, Dialog der Fachleute und Dialog der religiösen Erfahrung. Dialog des Lebens meint den alltäglichen Austausch mit Menschen, die anderen Religionen angehören. Zum Beispiel mit Nachbarinnen, Arbeitskolleg innen und den Eltern der Mitschüler*innen unserer Kinder. Vom Dialog der Werke ist die Rede, wenn sich Religionsgemeinschaften für ein gemeinsames Anliegen engagieren, wie Flüchtlingsfragen oder Klimawandel. Bei beiden Formen geht es nicht explizit um Fragen des Glaubens und wie dieser gelebt wird. Der Dialog der Fachleute – auch Dialog des theologischen Diskurses genannt – hingegen widmet sich voll und ganz der theologisch-intellektuellen Themen. Bspw. im christlich-muslimischen Dialog wird u.a. untersucht, ob Mohammed auch im Christentum als Prophet anerkannt werden könnte oder wie sich Kirche und Umma (die Gemeinschaft der Muslime) voneinander unterscheiden und welche Bedeutung diese Unterschiede haben. Beim Dialog der religiösen Erfahrung schliesslich geht es um gemeinsames Feiern und Beten mit Menschen, die einer anderen Religion angehören.

Christkatholizismus und interreligiöser Dialog
Die christkatholische und die altkatholischen Kirchen der Utrechter Union engagieren sich bekanntermassen stark in der Ökumene. Sie tun dies sowohl in bilateralen, wie auch in multilateralen Dialogen. Während in den bilateralen Dialogen – z.B. mit den Anglikanischen Kirchen oder der Mar Thoma Kirche – Fragen des Glaubens und der Kirchenverfassung behandelt werden, kommen in der multilateralen Ökumene – wie z.B. im Ökumenischen Rat der Kirche oder in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz – eher praktische Themen des Christentums zur Sprache. Da die christkatholische Theologie von Grund auf ökumenisch ausgerichtet ist und sich selbst aus den Dialogen heraus entwickelt, legt sie grossen Wert auf die bilaterale Ökumene. In diesen Dialogen wurden bisher keine interreligiösen Fragestellungen diskutiert. Wie mit der Tatsache, dass es andere Religionen gibt, umgegangen werden soll, schien in keinem der ökumenischen Dialoge als relevant betrachtet. Das hat zur Folge, dass sich die christkatholische und altkatholische Theologie zwar durchaus schon mit interreligiösen Themen beschäftigt hat aber noch keine eigene Haltung oder gar Position dazu entwickeln konnte. Christkatholik*innen, die sich im interreligiösen Dialog engagieren wollen, sind daher weitgehend auf sich selbst gestellt. Das ist bedauerlich.

Christkatholisches Engagement im interreligiösen Dialog
Seit vielen Jahren engagiert sich die Christkatholische Kirche der Schweiz im interreligiösen Dialog. Sie tut dies auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene dort, wo es für sie Sinn macht. Die Kirche macht mit bei interreligiösen Arbeitsgruppen, wie dem Rat der Religionen, wo Bischof Harald Rein derzeit den Vorsitz hat; in regionalen Gremien wie der Plateforme interreligieuse de Genève und in zahlreichen Projekten in Kirchgemeinden. Interessanterweise beteiligt sich die christkatholische Kirche auch in ökumenischen Arbeitsgruppen, bestehend aus den drei Landeskirchen, um interreligiöse Projekte umzusetzen, wie z.B. dem Arbeitskreis Religion Migration. Zu diesen Partnern haben wir eine grosse Nähe hinsichtlich praktischer Fragen des Christentums aber in Bezug auf Glaube und Kirchenverfassung eher weniger. Diese Arbeitsgruppen sind daher auch nicht besonders geeignet als theologische Lernorte. Hier findet kein Dialog der Fachleute statt (auch wenn die Mitglieder in der Regel Fachleute sind), sondern ein Dialog der Werke.

Schliesslich ist auch die Fachstelle Bildung der Christkatholischen Kirche der Schweiz vor allem durch die Mitarbeiterin Miriam Schneider an interreligiösen Projekten und Bildungsarbeit beteiligt. Leider ist das grosse und vielseitige Engagement im interreligiösen Dialog unserer Kirche wenig sichtbar. Interreligiöses Engagement wird kaum als christkatholisches Charakteristikum wahrgenommen. Das mag auch daran liegen, dass die christkatholische Theologie in diesem Bereich (noch) nicht besonders ausgereift ist und den Kirchen kaum Grundlagen anbietet auf die wir uns im Dialog beziehen könnten.

Um unser interreligiöses Engagement sichtbar zu machen, um voneinander zu lernen und um uns miteinander auszutauschen organisiert Miriam Schneider von der Fachstelle Bildung am 20. März 2021 einen interreligiösen Netzwerktag. Zu diesem Netzwerktag sind alle eingeladen, die sich für den interreligiösen Dialog interessieren und/oder eine kirchlichen Verantwortungspositionen haben. Weitere Informationen können bei Miriam Schneider, Mail:
miriam.schneider(at)christkatholisch.ch erfragt werden und unter dem Link: https://christkatholisch.ch/post/lkbern-interreligioes/interreligioeser-netzwerktag/

Miriam Schneider

Dieser Beitrag basiert auf dem von Miriam Schneider verfassten Artikel ‘Das interreligiöse Engagement der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union am Beispiel der Christkatholischen Kirche der Schweiz,’ in Alt-Katholische und Ökumenische Theologie 4 (2019) 51-62.