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Die Stadtkirche ist wieder ein Juwel im Herzen der Stadt Olten

Stadtkirche Olten Sept 2018
Zahlreiche Gäste und Schaulustige versammelten sich in der Kirchgasse, um nach der Renovation zum ersten Mal wieder in die Stadtkirche in Olten einzuziehen.

Hunderte Gäste wohnten am 8. September 2018 der Wiedereinweihung der neu renovierten Stadtkirche St. Martin in Olten bei. Der Festgottesdienst wurde von Bischof Dr. Harald Rein und Pfarrer Kai Fehringer gestaltet. Als Festredner wirkten Kirchgemeindepräsident Kurt Stutz, Baukommissionspräsident Peter Schibli, Regierungsrat Remo Ankli, Synodalratspräsidentin Manuela Petraglio sowie Stadtpräsident Dr. Martin Wey.

Das Wetter hätte nicht besser sein können an diesem Samstag: Petrus trug seinen Teil zur feierlichen Wiedereröffnung der Stadtkirche St. Martin bei; für den musikalischen Auftakt war die Jugendmusik Olten besorgt. Das anschliessende Läuten der Glocken sowohl der Stadtkirche als auch der übrigen Kirchen in der Dreitannenstadt stand für die symbolhafte Wiederaufnahme des Gotteshauses in den Kreis der christlichen Kultstätten. Hunderte Gäste waren erschienen, um diesem mit viel Symbolik dargebrachten Akt beizuwohnen.

Symbol für die Geburt der dritten Landeskirche

In einem ersten Teil stand der Wiedereinzug auf dem Programm und die feierliche Altarweihe, die von Bischof Dr. Harald Rein, Pfarrer Kai Fehringer und den Konzelebrant/-innen vollzogen wurden. «Die Kirche ist für die Stadt, für die Region sowie für das Bistum von grosser Bedeutung. Sie ist mit weitsichtigen und innovativen Ideen renoviert worden», bemerkte der Bischof einleitend. Kultur- und kunsthistorisch sei das Bauwerk deshalb wichtig, weil es wie kaum ein zweites als Symbol für die Anfänge der dritten Landeskirche stehe, die dan dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1870/71 entstand.

«Dieser Tempel Gottes ist ein Sinnbild alter Herrlichkeit und Grösse. Wir sind aber nicht rückwärtsgewandt, sondern wir schauen vorwärts.» Ein lebendiger Glaube lasse sich nämlich nicht durch ein Gebäude erleben, «sondern durch die Menschen, die ihn leben und pflegen». Die Kirche als Kraftort diene dazu, dass das «Wasser geistigen Lebens aus ihm herausfliesse und der Glaube weitergegeben werden kann». Im Wasser schwimmen müssten die Gläubigen aber selber. Der Bischof forderte die Anwesenden auf, sich nach ihren individuellen Möglichkeiten so einzubringen, dass der Strom des Glaubens und des Lebens fliessen könne.

«Wie Phoenix aus der Asche»

Im zweiten Teil, dem eigentlichen Festakt, würdigten diverse Persönlichkeiten die Renovation. Den Anfang machte Kirchgemeindepräsident Kurt Stutz, der meinte, dass die Stadtkirche nach der Renovation «wie Phoenix aus der Asche» wieder erstanden sei: «Vor zwei Jahren erhielt die Baukommission den Schlüssel aus den Händen des Bischofs, und heute kann ich ihn ihm wieder zurückgeben», bekannte Stutz voller Freude. Er hob den Mut hervor, den die Kirchgemeinde damals bewiesen habe, indem sie zu diesem 6,5 Millionen-Projekt Ja sagte. Stutz würdigte die sorgfältige Arbeit der Baukommission, des Architektenteams, der Handwerker, der Denkmalpflege, aber auch die Grosszügigkeit von Stadt, Kanton, Sponsoren und Gönnern. Die neu erstrahlende Stadtkirche solle aber nicht nur als Zentrum der Kirchgemeinde Region Olten dienen, sondern auch einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt in der Dreitannenstadt leisten. Und: «Die Baukosten konnten eingehalten werden, es gab keine Kreditüberschreitung», strich er hervor.

Begegnungszone – auch in der Kirche

Die Arbeiten selbst wurden von Baukommissionspräsident Peter Schibli vorgestellt. Die Anfänge seien im Herbst 2007 mit der Ausschreibung des Projekts gelegt worden. 2011 war die Evaluation abgeschlossen. Nach einer Pause wurde das Vorhaben 2014 wieder aufgenommen. Die inzwischen verkehrsberuhigte Kirchgasse und die damit geschaffene neue Begegnungszone hätten sich auf das Projekt ausgewirkt. Dies habe unter anderem dazu geführt, dass neu Pfarrbüro und Sekretariat in der Kirche integriert wurden, um längere Öffnungszeiten zu gewährleisten.

Im Jahr 2016 starteten die Arbeiten, zuerst aussen, dann innen. Doch trotz unvorhergesehener Ereignisse, die bauliche Nachbesserungen zur Folge gehabt hätten, habe das Budget eingehalten werden können. «Eine konsequente Kostenüberwachung, eine künstlerische Ausgestaltung von hoher Qualität sowie die Schaffung eines Platzes für Begegnungen und kulturelle Nutzung im Sinne eines besinnlichen Begegnens standen für mich stets im Vordergrund», unterstrich Schibli.

Renovation als «Leuchtturmprojekt»

Regierungsrat Remo Ankli überbrachte die Grüsse der Regierung. Er bezeichnete die Renovation der Stadtkirche als «Leuchtturmprojekt»: Ein Leuchtturm strahle aus, werde gesehen und wahrgenommen. Dies treffe auf das Gebäude zweifellos zu. Die Stadtkirche, seit 1939 unter Denkmalschutz, gehöre zu den wichtigsten Sakralbauten des Kantons, präge das Stadtbild, sei aber auch ein Raum der Stille. Zudem stehe er für wichtige Momente im Leben der Menschen und biete Hilfe und Orientierung, unterstrich der ausgebildete Theologe. «Ich gratuliere zu dieser gelungenen Renovation», sagte Ankli, der der Kirchgemeinde alles Gute für die Zukunft wünschte.

Synodalratspräsidentin Manuela Petraglio überbrachte die Grüsse des Synodalrats und bekannte, dass mit der Renovation der Spagat zwischen Tradition und Moderne gelungen sei. «Tatkraft, Mut und Wille aller Beteiligten waren notwendig, um diese Arbeiten termingerecht zu vollenden», bekannte sie. Stadt und Gemeinde hätten mit der Einweihung «eine wunderschöne Kirche zurückgewonnen». Das Gebäude und die Leute darin arbeiteten im Dienste der Menschen. «Dieser Ort soll ein Hort des Friedens, der Einkehr, der Besinnung, Achtung, Hoffnung und Liebe sein», wünschte sie sich. Und den Umstand, dass die Glocken der Stadtkirche nun wieder zu hören seien, umschrieb sie mit Erich Kästners Gedicht: «Wenn im Turm die Glocken läuten, / Kann das vielerlei bedeuten. / Erstens, Dass ein Festtag ist. / Dann: Dass du geboren bist. / Drittens: Dass dich jemand liebt. / Viertens: Dass dich’s nicht mehr gibt.»

Stadtpatron St. Martin

Oltens Stadtpräsident Dr. Martin Wey schliesslich hob die «überaus gelungene» Renovation der Stadtkirche sowie deren Bedeutung als wichtiges Baudenkmal für die Dreitannenstadt hervor. Die Oltner hätten ihre Kirche während der zwei Jahre des Umbaus vermisst, und sie alle freuten sich «auf eine offene Kirche und kulturelle Veranstaltungen für Menschen jeglicher Herkunft». Das Bauwerk sei nicht nur ein Kraftort, sondern «aus der Stadt nicht wegzudenken» und wirke «stark identitätsstiftend». Er freue sich sehr darüber, dass der Kirchgemeinderat einer Öffnung des Gebäudes für kulturelle Zwecke so positiv gegenüberstehe. «Offenheit, Toleranz, Mut und Solidarität sind Attribute, die dem Heiligen Martin zugeschrieben werden», schlug er den Bogen zum Patron der Kirche zurück. Und: «Olten hat zwar keinen offiziellen Stadtpatron, aber wenn, dann müsste er Martin heissen», meinte Wey. Ein Apéro riche, verdankenswerterweise serviert von «Kreuz»- und «Rathskeller»-Wirt Roger Lang und Team, sowie Führungen durch die Kirche beschlossen diesen denkwürdigen Tag.

Bereits der darauffolgende Tag, der Sonntag, stand im Lichte der neu gewonnen Identität der Stadtkirche: Nach dem Gottesdienst mit Bischof Dr. Harald Rein und Pfarrer Kai Fehringer mit anschliessendem Apéro konnten Interessierte erneut Führungen beiwohnen und danach dem Übergang in den weltlich-kulturellen Bereich beiwohnen: «Chorenschmaus» lud zum Konzert, und die Formation «New Oldten» brachte alte, neue und «neue alte» Lieder dar.

Von Beat Wyttenbach (Text) und Kurt Schibler (Foto)