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Das Gebet pflegen!

Gemeindebrief Sommer2026

Erst gerade haben wir einander ein gutes neues Jahr gewünscht, und schon müssen wir feststellen, dass dieses neue Jahr in unserem Land und in der grossen weiten Welt wohl kaum hätte schwieriger anfangen können. Eine Freundin meinte kurz vor Beginn eines Gottesdienstes, dass sie bei den Fürbitten am liebsten gar nicht mehr mitbete; es zeige sich ja immer wieder, dass Gebete eh nicht nützen.

Ja, auch das ist schwierig. Man steht in Versuchung, für das Leid der Welt Gott in die Verantwortung zu rufen, da er die Welt doch in seiner Hand halte. Und da das Leid nicht abnimmt, zeige sich, dass beten und hoffen vergeblich seien. Da könnten wir es auch gleich bleibenlassen.

Wollen wir tatsächlich alle Mächte des Unglücks und der Leid in der Welt gewähren lassen, und sie auf uns einwirken lassen, ohne wenigstens mental etwas dagegenzusetzen? Wer aufhört zu beten und zu hoffen, kapituliert innerlich und überlässt das Feld tatenlos all den destruktiven Mächten. Das kann man doch nicht ernsthaft so wollen!

Sogar wenn Gebete tatsächlich eh nichts nützen sollten, ist es noch immer weit besser, sie zu pflegen, als den Glauben und die Hoffnung aufzugeben. Denn wenn meine Gebete für die Mitmenschen oder für den Frieden in der Welt nur schon bewirken, dass ich selbst mich als friedliebender Mensch für meine Mitmenschen und für das Gemeinwohl engagiere, so wird nicht nur die Welt ein Stück besser, sondern auch ich selbst begegne den Anforderungen des Lebens mit einer deutlich positiveren Haltung. Und das wird Auswirkungen haben; Auswirkungen, welche meinem Gebet entsprechen!

Glaube, Hoffnung und Liebe hebt der Apostel Paulus als Grundpfeiler des christlichen Lebens hervor, und er ruft uns auf zum Gebet ohne Unterlass. Sogar wenn der Verdacht aufkommt, dieses nütze der Welt nichts, macht es mindestens einen selbst zu einem lebensfroheren und glücklicheren Menschen. Und das ist immerhin auch etwas, das der Welt weiterhilft.

Eine frohe und gesegnete Fasten- und Osterzeit wünscht Ihnen

Peter Grüter, Pfr.