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Adventszeit

Der Advent (vom lateinischen Wort adventus, Ankunft) thematisiert in den biblischen Lesungen, den Gebeten und Gesängen das Kommen Gottes des Erlösers. Dabei ist eine doppelte Perspektive wahrzunehmen: Es geht einerseits um das Kommen Gottes zu Gericht und Vollendung («in Herrlichkeit»), andererseits um sein Kommen in der Gestalt des in Bethlehem geborenen Jesus («in Niedrigkeit»).

Vom aufdeckenden und aufrichtenden Kommen des Herrn zu seiner Schöpfung reden die Lesungen der vier Adventssonntage daher immer wieder aus unterschiedlichem Blickwinkel. In den Evangelienlesungen spannt sich dabei ein Bogen vom Kommen des Christus am Ende der Zeiten bis zu seinem Kommen als Bote des Reiches Gottes, den die Gottesmutter Maria zur Welt bringt und dem Johannes der Täufer den Weg bereitet. Der letzte Adventssonntag ist ganz vom Ausblick auf die Geburt des Gottessohnes bestimmt. Das geschieht bewusst im Anschluss an das Fest Mariä Verkündigung, das beim herkömmlichen Datum vom 25.März – neun Monate vor Weihnachten – fast immer in die Fasten- oder Passionszeit, gelegentlich in die beginnende Osterzeit, fällt und so eigentlich immer «untergeht».

Die Woche vor Weihnachten (17.–23.Dezember) ist dadurch ausgezeichnet, dass in der Vesper der Leitvers zum Magnificat jeweils mit dem Ausruf «O» den erwarteten und herbeigerufenen Messias und Heilbringer Gottes mit einem besonderen Namen nennt: Weisheit, Adonai, Wurzel Jesse, Schlüssel Davids, Aufgang (aufgehender Stern), König, Gott mit uns Immanuel. Diese Namen aus den sieben so genannten O-Antiphonen begegnen allesamt im Lied Nr.525, das mit seinen dichten biblischen Anspielungen beispielhaft zeigt, in welchem weiten religiösen Horizont der gesehen wird, dessen Kommen im Advent erfleht und erhofft wird. In diesem Horizont ist dann auch das unscheinbare Kind zu betrachten, dessen Geburt an Weihnachten gefeiert wird.

Die Adventszeit kennt mannigfaltiges Brauchtum. Besonders sinnvoll ist der Adventskranz mit seinen vier Kerzen, von denen an jedem Sonntag eine mehr angezündet wird: Mit dieser zurückhaltenden Steigerung begleitet er unseren Weg zum weihnächtlichen Lichtfest, ohne es vorauszunehmen. Denn der Advent ist, im Gottesdienst wie auch zu Hause, eine Zeit der Umkehr, der Besinnung, der Stille. Können das Christen und Christinnen noch eigenständig gestalten und erfahren – in Distanz zur Umwelt, in der aus den Wochen vor Weihnachten eine bald lärmig-hektische, bald sentimen­tale und nachts in gleissendes Licht getauchte Einkaufsanimation geworden ist?